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Pädagogische Haltung

Wir können zwischen kurzfristigen und langfristigen Faktoren unterscheiden. Langfristige Faktoren könnte zum Beispiel ein Elternteil sein, dass regelmäßig trinkt und zu Hause aggressiv reagiert. Ein kurzfristiger Faktor wäre dagegen, wenn der Vater dem Kind am Morgen eine Tafel Schokolade mit auf den Schulweg gibt.

Auf Grundlage dieser Aspekte, können wir eine pädagogische Haltung aufbauen. Aber wie kann das genau aussehen? Zunächst ist klarzustellen, dass es weder möglich noch zielführend ist, für alle Mitglieder der Schulgemeinschaft jeden Tag die zuvor genannten Fragen allesamt zu beantworten. Es ist aber sehr wichtig, sich vor Augen zu halten, dass diese vielen Faktoren existieren. Damit entwickeln wir ein Verständnis für unsere Mitmenschen.

Wenn wir einen Kollegen treffen, der uns nicht grüßt und grimmig schaut, muss das nicht heißen, dass er uns nicht leiden kann, vielleicht hat er in der Nacht zu wenig Schlaf gehabt oder er ist möglicherweise im Stress. Wenn eine Schülerin in der Schule unruhig ist und nicht aufpasst, liegt es womöglich daran, dass ihre Schwester im Krankenhaus liegt und sie mit den Gedanken gar nicht beim Thema ist. Man kann auch nicht immer mit seiner Konzentration auf das Lernen fokussiert sein.

Als guter Pädagoge geben wir den Emotionen und Stimmungen der Schüler Raum und schaffen eine Umgebung, die deren Bedürfnissen gerecht wird. Ist ein Schüler heute mit den Gedanken so abwesend, dass er sich gar nicht auf den Lerninhalt fokussieren kann, dann macht es auch keinen Sinn, zu erzwingen, dass er am Lernprozess beteiligt ist. Vielleicht gibt es eine Rückzugsecke im Klassenraum, in die er sich setzen kann um mit Kopfhörern Musik zu hören und herunterzukommen oder mit einem befreundeten Mitschüler zu reden. Diese Art von Toleranz dient dann zugleich als Vorbild für die gesamte Klasse.